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FU-Frauen diskutierten über Hilfen für vernachlässigte Kinder

„Kindeswohl und Kindesweh“

Ein leider immer wieder aktuelles Thema hat die Frauenunion im Bezirksverband Koblenz-Montabaur aufgegriffen: Wir sind alle schockiert, wenn wir Medienberichte über vernachlässigte, vergessene, misshandelte, zu Tode gequälte Kinder wahrnehmen, sagt die Bezirksvorsitzende Hedi Thelen MdL. Was können wir tun?.

Schrifttype: Kievit
Der Landesvorsitzende der CDU Rheinland-Pfalz Christian Baldauf unterstrich die Brisanz für die gesamte gesellschaftliche Entwicklung.

Christian Baldauf, Landesvorsitzender der CDU Rheinland-Pfalz, weist auf die Brisanz des Themas für die gesamte gesellschaftliche Entwicklung hin, - auch wenn nach wie vor die übergroße Mehrheit der Eltern, rund 80 %, ihre Kinder liebevoll und fürsorglich betreut. Leider gäbe es aber eine nicht zu unterschätzende Zahl von vernachlässigten Kindern. Hier müsse man nicht von Problemkindern sondern in erster Linie von Problemeltern sprechen, die die Unterstützung der Gesellschaft dringend brauchen, um ihren Aufgaben nachkommen zu können. Der CDU sei es daher auch wichtig, verpflichtende Früherkennungsuntersuchungen zu fordern, um möglichst alle Kinder und damit alle Familien zu erreichen.

Die Sozialpädagogin Ursula Löcherbach vom Sozialdienst katholischer Frauen Koblenz schildert ihre Arbeit mit Babysimulatoren. Mit einer lebensnahen Puppe soll Jugendlichen deutlich gemacht werden, welche Anforderungen die Versorgung eines Kindes mit sich bringt. „Das Projekt bewirkt in einer Woche eine tiefgreifende persönliche Veränderung“, so Ursula Löcherbach. Einer der Gründe für Teenagerschwangerschaften sei nach ihren Erfahrungen die Perspektivlosigkeit der jungen Mädchen, die Sehnsucht nach Anerkennung und „Null Bock“ auf Schule oder Ausbildung. Man wolle etwas zum Liebhaben. Schreiende und einnässende Babysimulatoren können hier eine heilsame Wirkung entfalten. Das Interesse der Schulen sei mittlerweile so groß, dass sie zwei Jahre lang auf die Durchführung des Projektes warten müssen. Frau Löcherbach schlägt ein Schulfach zur Vermittlung von Familien- und Haushaltskompetenzen vor.

Aus der Arbeit ihrer Mutter-Kind-Gruppe berichtet Ursula Buchholz, Leiterin der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe der Kreuznacher Diakonie. Oft kommen die jungen Mütter nach ihrer Erfahrung selbst aus problematischen Familienverhältnissen und haben eigentlich nur den Wunsch, dem eigenen Elternhaus zu entfliehen. Die jungen Frauen seien nicht desinteressiert an der Erziehung ihrer Kinder, sondern einfach nicht in der Lage, weil sie es selber nie gelernt haben. Buchholz plädiert daher vehement für möglichst dichte Hilfenetze und für verpflichtende Kinderbetreuung, möglichst ab 4 Jahre.

Marion Krätz-Klein, stellvertretenden Leiterin des Jugendamtes des Westerwaldkreises, weist darauf hin, dass auch die dichtesten Hilfenetze versagen können. Im Westerwald musste der Tod eines kleinen Kindes hingenommen werden: Kurz zuvor war die sozialpädagogische Familienhelferin des Jugendamtes noch in der Familie. Obwohl da noch alles ruhig und in Ordnung war, hat die Mutter das Kind wenige Stunden später in einer Stresssituation zu Tode geschüttelt. Auch Marion Krätz-Klein plädiert für die verpflichtenden Früherkennungsuntersuchungen und fordert mehr Rechte für die Jugendämter. Viele Hilfeangebote, deren Inanspruchnahme freiwillig sei, würden gerade von den sogenannten Problemeltern nicht angenommen.

Elternkurse des Kinderschutzbundes werden häufig nur von Eltern besucht, die sich sowieso schon intensiv um ihre Kinder kümmern. Diejenigen, die die Hilfe am allermeisten nötig hätten, lassen sich dort nicht blicken. Viele plädieren für entsprechende Schulfächer: Jugendliche würden heute zum großen Teil nicht mehr lernen, wie man sich gesund ernährt, einen Haushalt managt, mit Haushaltsgeld umgeht oder wie man Konflikte in der Familie löst. Genauso einig ist man sich bei der Forderung nach Bürokratieabbau. Es sei ein Witz, dass eine Tagesmutter heute eine höhere Qualifikation haben müsse als eine vom Jugendamt eingesetzte Pflegemutter, so Marion Krätz-Klein.

Christian Baldauf verspricht für Abhilfe zu sorgen.Politik und Staat sollten sich mehr um die Inhalte der Arbeit in den Kindertagesstätten anstatt um die Höhe der Toilettensitze kümmern. Baldauf stellt sich eindeutig hinter die Forderungen von Ministerin von der Leyen, allerdings als Angebot an die Eltern und keineswegs als Betreuungspflicht.


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